Du magst das Gefühl nicht, einen vollen Magen zu haben.
Das macht dich träge und unwohl.
Deswegen willst du immer ein bisschen hungrig sein, isst nur ein paar Häppchen und wirst nie richtig satt.
Am Vormittag funktioniert das ganz gut.
Aber irgendwann am Nachmittag kippt es: du hängst in einem Dauersnacken, wirst gieriger und überisst dich schließlich.
Was steckt dahinter?
Und vor allem: wie kommst du aus dieser Nummer wieder raus?
Transkript / Stichworte
Ich will immer ein bisschen hungrig sein - wie spiegelt sich das im Essverhalten?
-du schiebst das Essen so weit wie möglich auf
-ein paar Häppchen statt Frühstück
-du versuchst, so lange im Tagesverlauf wie möglich nichts oder nicht viel zu essen
-irgendwann in der zweiten Tageshälfte kippt das in ein Dauersnacken
-du wirst immer gieriger
-und überisst dich letzten Endes (entweder mit den Snacks oder - endlich - mit einer richtigen Mahlzeit)
-oder vielleicht auch nicht, womöglich hältst du das einen oder mehrere Tage durch
-und dann kommt irgendwann der Zusammenbruch
wie sieht das aus (Gefühle, Gedanken, Empfindungen)?
-du magst das leichte Gefühl, das du hast, wenn wenig oder kein Essen in deinem Magen ist
-Hunger gibt dir Energie, Sattsein macht dich träge und zieht Energie
-Das warme, wohlige Gefühl, satt zu sein magst du nicht
Warum ist "immer hungrig sein wollen" ein Problem?
-du kannst das nicht den ganzen Tag aufrechterhalten
-du startest mit dem Ziel, immer ein bisschen hungrig zu sein, in den Tag - und es endet im Überessen
= das Gegenteil von dem, was du anstrebst
Warum kannst du keine Mikro-Portionen über den Tag verteilt essen?
sobald du dich hinsetzt und was Normales (Mahlzeit-ähnliches) isst,
reicht dir keine Mini-Portion.
z.B. du nimmst ein Mini-Schälchen Overnight Oats (so groß wie dein Handteller)
du bist unbefriedigt und nicht satt
willst weiteressen
normales Essen in Form von Mini-Portionen triggert dich
Warum? Wo ist das Problem? Was ändert sich mit dem An-den-Tisch-setzen?
-Kontrolle, sobald du am Tisch sitzt, isst du eine Mahlzeit und hast verloren
-Essen soll was Nebensächliches sein
-du bist leichter und höher und schwebst darüber
-du brauchst das nicht
Tiefere Muster:
Hunger = stark, satt = Schwach
-du willst in Kontrolle sein, Hunger ist eine Form von Macht, Überlegenheit
Sattsein ist das Gegenteil
Fülle macht träge, schlapp, weniger "heiß" und "energiegeladen"
Scham über das, was du brauchst - Bedürftigkeit nicht zeigen - muss stark sein
-Hunger zeigt: Du stehst über deinen (körperlichen) Bedürfnissen
-solange du Hunger spürst: zeigt, dass du Macht hast, erhaben bist, stark bist
-Sattsein heißt: du hast deinen körperlichen Bedürfnissen nachgegeben, warst schwach, bist eingeknickt
-du hast nichts mehr, deine Überlegenheit ist hin
-du fühlst dich klein und schwach und ohne Kontrolle, wie eine Versagerin
Gehen wir tiefer in die Situation, in der es kippt:
Warum kippt es bei einer Mini-Mahlzeit am Tisch?
-du sitzt am Tisch - hier beginnt die Niederlage: du gestehst dir dein Bedürfnis = deine Bedürftigkeit ein (= bist doch nicht so stark)
-= ich brauche etwas
-was eigentlich hinter dem "ich will immer ein bisschen hungrig sein" steht: ich stehe über allem, ich brauche nichts, bin auf nichts angewiesen - auch eine Art von moralischer Überlegenheit
Diese "Stärke" ist angenehm in dem Moment, in dem du dich dementsprechend verhältst und Mini-Bissen isst
aber sie lässt sich nicht durchhalten
(sonst würdest du in die Magersucht rutschen, was in deiner Jugend vielleicht auch passiert ist)
und bringt dich in das gegenteilige Extrem von Kontrollverlust, Schwäche und totaler Abhängigkeit vom Essen (du kannst nicht aufhören zu essen, du denkst nur an Essen etc.)
Inwiefern lässt sich die Stärke nicht durchhalten?
-zum einen auf der körperlichen Ebene (du musst essen)
-zum anderen auf der emotionalen Ebene: es ist schwer, immer nur zu kontrollieren, die Macht aufrechterhalten; du musst auch mal loslassen, die Kontrolle abgeben, dich schwach zeigen = du brauchst Essen, um dich zu trösten, dich zu beruhigen, dir was Gutes zu tun, unangenehme Aufgaben nicht tun zu müssen, blöde Gedanken wegzuschieben.... (nicht bei allen, aber bei vielen)
Der emotionale Faktor (du brauchst Trost und Entspannen, kannst nicht immer nur kontrollieren) führt auch zu folgendem Phänomen:
-du willst dir Essen aufsparen
-das Essen in die Länge ziehen
-bist traurig, wenn es vorbei ist
-Essen ist Highlight des Tages
= Essen wird emotional aufgeladen
Widerspricht scheinbar dem "ich will immer ein bisschen hungrig sein" - aber nur auf den ersten Blick
Ich will immer ein bisschen hungrig sein + immer durchgehalten = Magersucht
Ich will immer ein bisschen hungrig sein (Kontrolle) + Loslassen, schwach sein, Trost = Essanfälle, Binge Eating, Bulimie
Wie kommst du aus der Nummer wieder raus?
nicht-christliche Ideen:
1. Du brauchst eine neue Definition von Stärke
-Stärke ist nicht: Ich brauche nichts.
-Stärke ist: Ich weiß, was ich brauche – und kann mir das in guter Weise geben
Du darfst satt sein, genießen und dich nähren = das ist wahre Stärke
(ABER: nichts fühlt sich so gut an wie das erhabene Gefühl der Kontrolle und Erhabenheit des "ich bin immer ein bisschen hungrig und esse nichts")
2. Lerne, mit Sättigung klarzukommen
-Übe das Gefühl von angenehm satt bewusst ein
-Mach eine Mini-Mahlzeit absichtlich zur richtigen Mahlzeit (z. B. sitzend, mit Besteck, ohne Handy)
-Halte die Spannung aus, nicht direkt weiterzuessen – atme durch, beobachte
-irgendwann, wenn du täglich übst, kannst du das nährende Gefühl von Sattsein genießen
= Symptom ändern, du schaust nicht hinter das Bedürfnis nach Kontrolle, Macht
(ABER: das Kontrollbedürfnis ist stärker, du willst nicht am Tisch sitzen und essen, wenn es sich viel besser anfühlt, hungrig zu sein und zu verzichten)
(oder die bewussten Mini-Mahlzeiten führen dazu, dass du die Kontrolle verlierst und dich überisst - du hörst bald wieder damit auf und kehrst zur Kontrolle und zum Hungrig-sein-wollen zurück)
3. Struktur statt Willenskraft
Kein „nichts essen so lange wie möglich“, sondern klare Mahlzeitenstruktur (z. B. 3x täglich)
Keine Mini-Bissen, kein Grasen – sondern echte Mahlzeiten mit klarer Start-Stopp-Grenze
Die Struktur schützt dich – sie entlastet dein System von ständigen Entscheidungen
Ziel: Weniger Gier, weniger Snacks, weniger Kontrollverlust am Nachmittag
(ABER: Gut und schön, das schlage ich auch vor (No-S-Diät), aber dies gibt eine äußere Struktur, die das innere Problem sichtbar(er) macht - aber nicht löst. Der Wunsch nach Kontrolle und Macht bleibt, wenn du nicht tiefer auf die Ursachen schaust. Eine Ernährungsweise hat noch nie ein tiefergehendes Problem mit dem Essverhalten gelöst.)
4. Normalisiere deine Bedürftigkeit
Bedürfnisse sind nicht peinlich, sondern menschlich
Du isst nicht, weil du schwach bist – sondern weil du ein Mensch mit einem Körper bist
Die Scham über das „ich brauche etwas“ darf gesehen werden – dann verliert sie Macht
Essen darf eine gute Antwort auf echten Hunger sein. Nicht auf Leere oder Selbstablehnung.
5. Du brauchst Ersatz für das „leichte, schwebende Gefühl“
Was genau gibt dir dieses Gefühl (außer Hunger)?
Wo könntest du echte Leichtigkeit herholen? (Bewegung, Natur, Klarheit, Entlastung)
Finde echte Quellen von Energie – nicht den Schein von Macht durch Mangel
(ABER: das ändert nichts daran, dass die eiskalte Kontrolle und Macht sich immer besser anfühlen als ein Waldspaziergang - das ist strukturell (wenn auch nicht inhaltlich) dasselbe wie "Die doppelte Dröhnung: Serien und Essen" 118)
Du fragst dich jetzt wahrscheinlich:
Wenn DAS ALLES nichts bringt / die Wurzel des Problems nicht mal tangiert, geschweige denn löst -
Was kann denn helfen?
???
Ich hatte es ja in den letzten Folgen (christliche Folgen wie Du willst frei werden? Dann hör auf, dich selbst retten zu wollen. (Eine christliche Sicht auf Essverhalten), Folgen zu Völlerei und besonders Ich mache mich weg mit Essen – Was wirklich dahinter steckt) gesagt:
Es gibt Themen und Probleme, bei denen "horizontale", rein menschliche oder säkulare Ansätze nicht weiterkommen
deswegen gibt es so viele Menschen, die zig Diäten gemacht, zig Coachings absolviert haben, in Therapie sind - und das Thema mit dem Essen bleibt.
Weil niemand dir sagt, was du eigentlich brauchst
(und das nicht, weil sie es böse mit dir meinen, sondern weil sie es selber nicht wissen - ich wusste es ja bis vor Kurzem auch nicht.)
Meiner Meinung nach ist "ich will immer ein bisschen hungrig sein" ein typisches Beispiel für eine Stelle, an der normales Coaching / Tipps und Therapie auf der horizontalen Ebene nicht weiterkommen
Was wirklich hilft: Schwäche sehen und anerkennen
-hinter der Macht und dem Erhabensein verstecken sich ganz kleine, schwache Gefühle: Angst vor Bedürftigkeit, Scham, etwas zu brauchen / auf etwas angewiesen zu sein
-darum haben viele regelrecht Angst vor Hunger: sich Hunger einzugestehen heißt, sich Schwäche einzugestehen
regelmäßig Essen zu brauchen (und es besonders zu brauchen für alles Mögliche, wenn du aus emotionalen Gründen isst), bedeutet, schwach und bedürftig zu sein
= DAS ZU SEHEN ist der erste Schritt
Deine Schwäche nicht maskieren mit Stärke des Verzichts und des erhabenen Machtgefühls, das damit einhergeht
Mach dich offen, verwundbar, klein
-> Das kannst du so versuchen, ohne ein direktes Gegenüber, nur mit dir selbst
Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen: Das geht besser, wenn du deinen liebenden Schöpfer vor dir hast, der Sein Leben gegeben hat, um mir dir in Beziehung sein zu können - Nur Er kann dich bedingungslos annehmen
(und SELBST DANN war es nicht leicht, sondern schmerzhaft und mit Leiden verbunden)
-(Magersucht: ich brauche die Bestätigung, die Liebe von Mama und Papa - sie geben sie mir nicht bedingungslos - ich darf so nicht sein - ich darf meine Schwäche nicht zeigen - ich muss stark sein, Kontrolle ausüben - in Bezug auf meine Gefühle (nicht zeigen), mein Verhalten (anpassen, gute Noten, Erwartungen erfüllen), mein Essverhalten und Gewicht (das kommt als Thema dazu, wenn es irgendwie Problem war in Kindheit / Jugend)
Einfach schwach sein, klein, bedürftig, so wie du bist
ohne eine Rolle zu spielen, Erwartungen zu erfüllen oder irgendwie zu sein weil du denkst das musst du
Du musst niemandem etwas beweisen
du musst nicht anders sein, als du bist
du bist gewollt und geliebt genau so, wie du bist
Jesaja 30,15
„Durch Umkehr und Ruhe werdet ihr gerettet, im Stillsein und Vertrauen ist eure Stärke."
2 Kor 12, 7-10:
Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlägt, damit ich mich nicht überhebe.
Um dessentwillen habe ich dreimal den Herrn angerufen, dass er von mir ablasse.
Und er hat zu mir gesagt: Meine Gnade genügt dir, denn ⟨meine⟩ Kraft kommt in Schwachheit zur Vollendung. Sehr gerne will ich mich nun vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohnt.
Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Misshandlungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.
Willst du Heißhunger, Essdrang und Fressattacken loswerden und die Kontrolle über dein Essverhalten zurückgewinnen?

