Du funktionierst, du reißt dich zusammen, du hältst durch.
Aber dann kommt der Moment, wo du noch ein bisschen Schokolade brauchst. Oder noch eineetwas Nachschlag vom Abendessen. Und noch einen Joghurt mit Obst.
Eigentlich willst du nichts fühlen, nichts leisten, einfach nur verschwinden, dich mit Essen wegmachen.
Woher das kommt und wie du damit aufhörst, erfährst du in dieser Folge.
Transkript / Stichworte
Ich will mich wegmachen mit Essen - Wie wird normalerweise mit diesem Drang umgegangen?
viele wissen: okay, ich will mich jetzt beruhigen oder ablenken oder trösten - UND JETZT?
der Drang wird irgendwie weggemacht:
a) Ablenkung, Beruhigung und Trost durch andere Mittel
b) oder Anpassungen im Alltag: warum musst du dich mit Essen beruhigen? wie kannst du deinen Tag so gestalten, dass du ruhiger bist / mehr Freude hast (vs. Trost)?
c) mit dem Drang sitzen: Urge surfing - wie starke Gefühle geht auch der Essdrang irgendwann weg (eher, als wenn du ihn wegdrückst)
Das bringt (langfristig) nichts:
a) der Essdrang kommt zurück, weil das Bedürfnis nach Ablenkung, Beruhigung, Trost immer noch da ist
b) entweder schaffst du es nicht, das umzusetzen oder das Bedürfnis nach Druckablassen und einfach nichts mehr machen, nur essen, kommt trotzdem wieder (vielleicht auch nicht in Form von Essen, sondern von Trinken, Sport, Arbeiten, Shoppen....)
c) ja, der Drang geht in dem Moment weg- aber er kommt wieder (nur, weil du Traurigkeit oder Wut "surfst", heißt das ja nicht, dass du nie wieder wütend oder traurig wirst)
Ich habe das selbst erlebt
Der Essdrang geht nicht weg
dieses Gefühl, der Drang nach
Mich wegmachen
mich betäuben
im Essen aufgehen
an nichts mehr denken
einfach wegsein
nicht mehr stark sein müssen
keine Rolle mehr spielen müssen
mein Gesicht nicht mehr wahren müssen
nicht mehr alle Fäden zusammenhalten müssen
nicht mehr die Kontrolle bewahren müssen
sondern mich einfach hingeben ans Essen
Aber du bist doch Coach?!?
Ich bin ehrlich: Ich bin das nicht losgeworden, obwohl ich als Coach all die tollen Techniken kenne
klar, mein Essverhalten ist wesentlich entspannter als früher, ich denke viel weniger an Essen, ich kenne meine Bedürfnisse und merke genau, wenn ich eigentlich müde oder traurig oder genervt bin - aber dieses grundlegende, tiefe Mich-betäuben-wollen, mich-rausnehmen-wollen-aus-allem mit Essen - das ist geblieben
Und ist vielleicht sogar stärker geworden in der letzten Zeit, weil ich
a) die No-S-Diät angefangen habe und meinen Essdrang stärker gespürt habe;
b) immer wieder gebetet habe, "Herr, hilf mir, demütig, schwach und klein vor Dir zu sein" - ohne dass ich schon wusste, was das genau bedeutet und wie es konkret aussieht.
c) Und weil ich glaube, dass Gott mich etwas lehren wollte mit dieser meiner "Sucht" (wie gesagt, jeder hat so etwas, einen Ersatz-Gott, einen Götzen, der heilen und retten soll (Essen, Trinken, Rauchen, Spielen, Shoppen, seine Kinder, sein Partner, die Karriere, Arbeiten, Sport ........) - deswegen hat er sie nicht vorher von mir genommen
Zurück zur Hingabe ans Essen, sich auflösen im Essen:
Was passiert dabei? Warum machst du das?
Zwei Aspekte:
a) du versuchst, in deinem Alltag permanent stark, perfekt, in Kontrolle zu sein
b) du hältst das irgendwann nicht mehr aus und lässt den Druck, der sich deswegen angestaut hat, im Essen ab
= daher dieses "Nichts ist so gut wie Essen" (vs. ....Waldspaziergang?!?) : es ist körperlicher Exzess und geistige Betäubung (siehe Völlerei, genau das ist damit gemeint)
= Du versuchst, alles selbst zu regulieren:
deine Stärke und Kontrolle (üblicherweise, im Alltag)
deine Schwäche (Druck ablassen durch Essen)
Was du übersiehst:
Du musst nicht stark sein
und du bist nicht stark
Und Gott will dich nicht so haben:
Mt 5,3 (ELB)
Glückselig die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel.
Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. (LUT)
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. (EÜ)
Glücklich zu preisen sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. (NGÜ)
Arm im Geist:
was heißt das?
dumm, beschränkt, naiv?
Nein
sondern: demütig, bedürftig, abhängig
als ich das gemerkt habe, was ich da eigentlich mit dem Essen mache (und mir diesen Wunsch, mit zu betäuben und wegzumachen mit Essen, wirklich eingestanden habe), habe ich folgendes notiert:
wovon will ich mich entspannen
aufrechterhalten
von höherem Ich
von gutem Ich
von Erwartungen
von den Rollen die ich spiele
von dem, wie ich sein soll
meine Schwäche
meine Kleinheit
meine Abhängigkeit
meine Bedürftigkeit
meine Angst
meine Verletzlichkeit
meine Scham
meinen Schutz
meinen Stolz
Und dann wurde mir klar:
genauso soll und kann ich vor Gott sein,
das ist es, was Ihm gefällt:
= ein Mensch, der nicht stark, stolz, selbstgenügsam oder unabhängig ist,
sondern gebrochen, leer, offen für und vor Gott
- und bereit, von Ihm beschenkt zu werden.
Weitere Stellen, an denen Jesus davon spricht:
Matthäus 11,28–30
Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen! Und ich werde euch Ruhe geben.
29 Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir! Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und »ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen «;
30 denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Lukas 18,9–14 – Der Pharisäer und der Zöllner
Der eine rühmt sich vor Gott – der andere steht hinten, schlägt sich an die Brust und sagt: „Gott, sei mir Sünder gnädig.“
Jesus: „Dieser ging gerechtfertigt nach Hause, nicht jener.“
= Nicht der religiös Perfekte, sondern der demütige, gebrochene Mensch ist gerecht vor Gott.
Offenbarung 3,17–18 (Brief an Laodizea)
„Du sagst: Ich bin reich und brauche nichts – und merkst nicht, dass du elend und erbarmungswürdig und arm und blind und bloß bist.“
Jesaja 57,14-19(20):
14 Und er sagt: Macht Bahn, macht Bahn! Bahnt einen Weg! Beseitigt ⟨jedes⟩ Hindernis aus dem Weg meines Volkes!
15 Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.
16 Denn nicht ewig rechte ich, und nicht für immer zürne ich; denn ihr ⟨Lebens⟩hauch würde vor mir verschmachten und die Menschenseelen, die ich ja gemacht habe.
17 Wegen der Sünde seiner Habsucht zürnte ich und schlug es, indem ich mich verbarg und erzürnt war; doch es ging abtrünnig auf dem Weg seines Herzens.
18 Seine Wege habe ich gesehen und werde es heilen. Und ich werde es leiten und ihm Tröstungen gewähren und seinen Trauernden
19 die Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede den Fernen und den Nahen!, spricht der HERR. Ich will es heilen. –
(((20 Aber die Gottlosen sind wie das aufgewühlte Meer. Denn es kann nicht ruhig sein, und sein Wasser wühlt Kot und Schlamm auf.))
Die Sünde seiner Habsucht
=
ein Herz, das nie satt ist
ein Herz, das sich nicht Gott anvertraut, sondern Dingen (Essen!)
stolz, stark, unabhängig
Ich habe "Stolz" als Problem oder Sünde lange abgelehnt, weil ich das nicht verstanden habe / nicht auf mich beziehen konnte.
Inwiefern soll ich stolz sein? Ich bin doch nicht stolz! Habe eher ein zu schwaches als zu starkes Selbstbewusstsein
Aber das ist nicht der Punkt bei Stolz, sondern:
du bist dein eigener Maßstab
du versuchst, selbst Gott zu sein (Spiel mit Stärke und Schwäche, das sich im Essen zeigt)
du sollst das Gegenteil sein:
klein, arm, demütig, bedürftig, abhängig
leeres Herz, leer vor Gott - so kann Er es füllen
Wer sich vor Gott klein macht, dem kommt Gott ganz nah.
Ich überführe und züchtige alle, die ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße!
Offb 3,19
Was bedeutet das für dich?
Gib dein Stark-Sein-Müssen, deinen Stolz, dein "Ich schaffe es selber" an Gott
mach dich "nackt" vor Gott
zeige dich Ihm so, wie du bist
so, wie du dich vielleicht niemandem zeigen würdest
sei offen und klein und verletzbar
und lass Ihn dich heilen
und ganz machen
Psalm 55,17-19:
Ich aber, ich rufe zu Gott, und der HERR rettet mich.
Abends und morgens und mittags klage und stöhne ich; und er hat meine Stimme gehört.
Er hat meine Seele zum Frieden erlöst, dass sie mir nicht nahen können; denn mit vielen sind sie gegen mich gewesen.
Psalm 55,23:
Wirf auf den HERRN deine Last, und er wird dich erhalten; er wird für ewig nicht zulassen, dass der Gerechte wankt.
Willst du Heißhunger, Essdrang und Fressattacken loswerden und die Kontrolle über dein Essverhalten zurückgewinnen?

